Hintergrund
Das vorliegende Werk stellt eine Bearbeitung der Theatermusik dar, die ich für das Stück “Dial M for Murder” geschrieben habe. In ihrer ursprünglichen, an die Aufführungssituation des Theaterstücks gebundenen Form, ist sie erstmals am 03. Oktober 2007 im Theater der Altstadt in Stuttgart erklungen. Dabei ist zu erwähnen, dass die Partitur aus Budgetgründen digital ausgesetzt wurde und bei den Aufführungen, die sich bis in den Dezember 2007 erstreckten, vom Band zugespielt wurden.
Die Komposition setzt sich unter anderem mit Fragen der mikrotonalen Klanggestaltung auseinander. Das reduzierte Orchester (siehe Besetzung) ist in fünf Gruppen geteilt, wobei jede davon eine eigene Stimmung hat. Die Grundtöne der Gruppen basieren auf Verhältnissen der Obertonreihe. Der Grundton der Gruppe B liegt auf dem 13. Teilton der Ausgangsgruppe C, während der Grundton der Gruppe A wiederum auf dem 13. Teilton der Gruppe B liegt. Der Grundton der Gruppe D ist an der Achse des Grundtons C gespiegelt und genau gleich weit von ihm entfernt wie der Grundton von B. Auf gleiche Weise verhält es sich mit den Gruppen A und E.
So entsteht eine gespiegelte Anordnung der Grundtöne ausgehend von Zentrum C. Auf jedem der neu gewonnenen Grundtöne werden die ersten 16 Obertöne errichtet. So konstituiert sich für jede Gruppe ein individueller Tonvorrat. Dieser spiegelt sich in der Anordnung der Gruppen wieder. Auch räumlich befindet sich Gruppe C im Zentrum, die anderen Gruppen sind nach der Abweichung ihres Tonraumes von dem der Ausgangsgruppe um sie herum platziert. Der 1. Satz erforscht zunächst den Tonraum auf C. Dieser setzt sich wiederum aus den ersten 16 Tönen der Obertonreihe auf C zusammen. Es ergeben sich in dieser einleitungsartigen Klanglichkeit noch keine zu scharfen mikrotonalen Strukturen. Jedoch treten in den folgenden Sätzen die anderen Gruppen mit der ihnen eigenen Stimmung hinzu und bieten so vielfältige Möglichkeiten des mikrotonalen Satzes. Im Rahmen des Theaterstücks wurden die Stimmungssysteme den Figuren zugeordnet. Aus der Festlegung der Grundtöne und den auf ihnen errichteten Skalen (für welche wie oben erwähnt die jeweilige Obertonreihe verwendet wurde), ergeben sich für die einzelnen Instrumentalgruppen die auf der nächsten Seite folgenden Tonvorräte. Die Zeichen für die mikrotonalen Tonhöhen wurden aus dem 4. Streichquartett von Georg Friedchrich Haas übernommen und erweitert, um dem Tonraum gerecht zu werden.
Jedoch kann auch dieses verfeinerte System die Tonhöhen nur ungefähr abbilden. Aus diesem Grund sind die Cent-Abweichungen vom jeweiligen Ton in wohltemperierter Stimmung unterhalb der Tonraumsysteme angegeben.
Um die Partitur nicht mit Sonderzeichen zu überladen und damit die Lesbarkeit für die Msuiker einzuschränken, wurde im Notentext auf die genaue Angabe der Tonhöhe verzichtet. Es wird vielmehr die traditionelle Notation verwendet, um für jede Gruppe den ihr eigenen Tonvorat darzustellen. Jeder Musiker sollte den Tonvorrat seiner Gruppe auswendig lernen (es sind nur 8 Tonstufen), so dass er in der Partitur sofort weiß, um wieviel Cent er den jeweiligen Ton von der wohltemperierten Stimmung abändern muss. Wichtig für die Proben ist, dass die Melodielinien während des Vortrages zwischen den einzelnen Gruppen fließend übergeben werden.
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