Erklärungen zur Musik an Liene: "...in diesem fall war es so, dass ich mir überlegt hatte, für die teile, die in der gegenwart spielen, zwei instrumente (cello, trompete) zu verwenden und dementsprechend zwei weitere für die vergangenheit/flashbacks (oboe, klarinette). so hätte man durch die jeweilige klangfarbe eine abgrenzung der beiden erzählebenen vornehmen können. weiterer teil dieses ersten konzepts war, basierend auf den spezifischen akustischen instrumenteneigenschaften der jeweils zwei instrumente tonleitern zu errichten. es haben sich dabei tonleitern mit wenigen (nur 3) tönen aber auch tonleitern mit vielen (10 pro oktave) ergeben. einerseits kann man durch die tonleitern, die dann eindeutig entweder der vergangenheit oder der gegenwart zugeordnet wären, die zeitebenen musikalisch-dramaturgisch weiter unterscheiden. andererseits war der plan, in beiden zeitebenen zunächst (am anfang des stücks) jene tonleitern mit wenigen tönen zu verwenden, um dann während des stücks immer mehr töne hinzu zu nehmen. bis schliesslich am ende im requiem beide zeitebenen zusammenfliessen und alle töne aus vergangenheit und gegenwart erklingen.
ausgehend von diesem konzept habe ich erste fragmente und themen der musik erstellt und die mitsamt dem konzept uwe bei einer besprechung vorgestellt. uwe wollte jedoch nur musik für die vergangenheitsszenen (naja und die barszene) und keinerlei musik in der gegenwart. daher musste ich bei dieser produktion etwas umplanen. auch weil durch die langen vergangenheitsszenen sehr viel musik benötigt wurde, die sich eher teppichartig stimmungsaufnehmend unter die dialoge legt. so eine musik darf natürlich keinen allzugrossen dynamikumfang haben, da man in der bühnensituation im gegensatz zum genau aussetzbaren film ja nie genau weiss, an welcher stelle welche pause im dialog kommt und die musik das gesprochene wort ja nicht überlagern darf.
um der neuen situation gerecht zu werden habe ich meinen ersten ansatz der aufteilung der vier instrumente teilweise verworfen und alle instrumente und tonleitern für die vergangenheit verwendet. es war ja nun auch nicht mehr nötig, die zeitebenen durch verschiedenartige musik zu unterscheiden, da sie schon durch musik oder nicht-musik abgegrenzt waren. die weitere vorgehensweise bezieht sich auf die erinnerungs- oder leitmotivtechnik - es werden personen oder umständen motive zugeordnet, die sich im verlauf des stücks mit der person entwickeln. beispiel hierfür ist etwa die einleitungsmusik, die sich auf die requiemsmusik des schlussvorhangs bezieht. sie ist jedoch zu beginn etwas beschwingter und auch heiterer als das ende. ein weiteres motiv steht für die beziehung willy-ben. es taucht immer wieder mit ben auf und soll auch darauf verweisen, dass ben es für willy "geschafft" hat. daher gibt es eine abwandlung des themas in der triumphalen trompeten als willy über "das land, in dem alles möglich ist" redet (ich weiss gerade die seitenzahl im text nicht mehr), oder aber auch am ende - dann langsamer und bedrohlich-resigniert, als willy stirbt und so seiner meinung nach den letzten sieg erreicht hat. es gibt noch themen für linda, die frau, Biff und Happy,... - zwischen ihnen bestehen auch thematische verwandtschaften.
grundsätzlich war diese arbeit für mich etwas anders als vorangegangene, da wie gesagt die musik sehr flächig eingesetzt wurde und nicht etwa bei zwischenvorhängen, umbauten, auftritten, szenen ohne text. das erste konzept bestimmt die anlage und die sprache der musik, so wie sie jetzt erklingt, noch ganz entscheidend - deshalb habe ich es auch so weit ausgeführt. denn wenn auch die anwendung sich durch die regievorgaben geändert hat, so ist sie dennoch nach diesem prinzip komponiert."
amp, graz, 20.november 2008 |